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Schlagi’s Blog – Aloha!

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So liebe triaguide-Leser, 3 Tage nach dem Ironman fühle ich muskulär in der Lage wie wild in die Tasten zu hauen, um die Geschehnisse des für mich sehr denkwürdigen 30. Juni kurz (oder nach dem Schreiben bessere ich auf „lang“ aus) Revue passieren zu lassen. Bitte verzeiht, dass ich es mir erlaubt habe einfach meinen eigenen Blog zu kopieren, aber langes Rennen, langer Blog – beides reicht einmal 😉

Wie in meinem Vorbericht erwähnt waren meine Erwartungen vor dem Rennen zwar nicht allzu niedrig doch mit einigen Fragezeichen versehen… Innerhalb von 9 Stunden und 13 Minuten waren diese dann auch beantwortet:

Eine hab ich aber noch vergessen: Ich bin Student, wie soll ich bloß um 6:45 einen Bewerb starten?! 😉 Um 4 Uhr klingelte der Wecker und ich saß kerzengrad im Bett: „Yeah – Eiermän-Time!“ So groß die Freude im ersten Moment auch war, so schnell kam mir dann aber auch: Verdammt ist das früh jetz 😉

Aber jetzt im Ernst: Zuerst gabs ja mal die Frage nach der Ernährungsstrategie: Kurzerhand hab ich mir am Tag vor dem Wettkampf schnell ausgerechnet wie viel mein Körper wohl wann brauchen würde und mir dann das Ganze in der Früh beim Vorbereiten der Wechselzone schnell aufs Rad geklebt. Im Endeffekt handhabte ich es dann so wie bei jedem Rennen davor auch – Ich aß und trank wies mir in der Situation grad passte, ohne auch nur eine Sekunde an meine Strategie zu denken 😉 Und das ging auf! Weder Probleme mit dem Magen noch Hungergefühl machten sich breit. Nur Beim Schwimmen hatte ich noch das Gefühl etwas vollangegessen zu sein, was nicht ganz ideal war.

Beim Start bin ich an sich gut weggekommen und konnte mich  in der Spitzengruppe halten. Als wir nach unserem Landstart beim Prostart am Ende des 150m-Stegs angekommen waren, waren die Pro’s schon ferner liefen – nicht sehr fair, ist aber so und muss man akzeptieren. Zu diesem Zeitpunkt musste ich aber schon ordentlich schnauffen, weil ich mich so voll fühlte, so dass ich eh nicht weiter drüber nachdachte und versuchte trotz einer vollgelaufenen Brille – nicht toll – einfach Gas zu geben. Lange konnte ich die erste Gruppe leider nicht halten, worauf ich den Moment nutzte um Wasser zu lassen (aus der Brille natürlich ;-)), um dann relativ alleine die erste Hälfe zu Schwimmen. Zirka 1000m vorm Lendkanal schwamm eine Gruppe auf mich auf, mit der ich dann noch einige Pros einholte, um die Party im Kanal zu starten. So sehr ich mich vor dem Rennen auf diesen Moment gefreut habe, so grauslich war der letzte Kilometer dann aber: Die Stimmung war zwar Hammer, aber die Schlägerei war noch viel hammererer 😉 Nicht lustig… Schwamm ich normales Tempo, waren wir zu fünft nebeneinander, schwamm ich schnell – war ich in einer fünfer Reihe weiter vorne – schwamm ich langsamer, war ich in einer weiter hinten – es war ein bisserl eng auf gut deutsch – ich war so froh als es beim Seepark nach 55:53 aus dem Wasser ging!

Und dann gings in den nächsten Kanal: einen Zuschauerkanal der Superlative bis zur Wechselzone – schon da eine unglaubliche Stimmung, es braute sich unheimliche Motivation in mir zusammen, welche mir dann vielleicht zum Verhängnis geworden ist. Mit 3,9Watt/kg gings schon rüber bis zum Faakersee, um den Schnitt dann noch auf über 4 zu erhöhen die nächsten KM. Zusammen mit dem Schweizer Mike Schifferle holte ich Gruppe um Gruppe ein, mitgehen konnte keiner – zu spät begann ich mir darüber Gedanken zu machen – Auf dem Weg nach Schiefling beschloss ich dann allein meine Bahnen zu ziehen und das ein wenig lockerer als zuvor, zu hoch war das Tempo, wenn der Schweizer vorn fuhr (er sollte im Endeffekt 4:32 fahren). Mit konstantem Tempo gings dann wieder in die Stimmungshochburg Klagenfurt, wo ich die erste Runde kaum langsamer als Andi Raelert beendete, Rückstand ca. 11 Minuten wurde mir zugerufen. Aber nicht weit danach wurde mir anders zu Mute. Ab Reifnitz mischten sich ein Deutscher und ein Schweizer in mein Rennen. Zusammen mit dem Deutschen machte ich das Tempo. Kurz nachdem der Schweizer auf einmal nach vorne gefahren ist (ca. 1 Minute) kam von hinten auch schon ein Kampfrichter des ÖTRV, der wohl in der früh schon zum Bier gegriffen hatte, und Pfiff einmal laut – Karte zeigt er mir keine, er schrie nur 6 Minuten – what for?! Windschatten fahren – wtf?! „Ich fahre schon 5 Minuten hinter euch nach und ihr fahrts nur hinten nach“ aha?! (Anm: Der Deutsche der 1 Minute davor noch vorne war bekam dieselbe Penalty) Mal ganz Abgesehen davon, dass ich davor schon mit mir gehadert habe, dass ich zu viel Abstand lasse (aber lieber zu fair als Lutscher sein), fuhr der Typ mit der Nummer 3 auf dem Motorradhelm nie und nimmer länger hinter uns her – Mega-Argumentations-Fail… in meiner Ehre gekränkt und wutentbrannt attackierte ich zusammen mit dem Deutschen Richtung Penalty-Box Velden – jetzt Vollgas war unser Motto, dann stehen wir ja eh 6 Minuten. An dieser Einstellung sah man, dass ich so was noch nie bekommen habe, das war der größte Fehler des Rennens. Gleich gefolgt vom zweiten: Anstatt die Strafe hinzunehmen und mich aufzulockern und gscheit zu essen, musste ich ja mit dem 3er Wettkampfrichter diskutieren, während ein Packerl nach dem anderen vorbei fuhr, mit Abständen, dasst da denkst gibt’s des – und er schaut zu – als ob nix wär …. Ich schämte mich so sehr für meine durchgestrichene Startnummer, als ich dann wieder weiter fuhr: Schlagbauer der alte Lutscher back on the Road, so schaute es aus. Aber bald beschäftigten mich andere Gedanken: meine Haxn wollten nicht mehr… keine 2,8 Watt konnte ich mehr treten… 3 wär schon ein Traum gewesen. Einsam, allein, traurig, wütend – Gefühlschaos die nächsten Kilometer. Bis zum Ruperti brauchte ich um wieder halbwegs rein zukommen. Als mich dort eine Riesen Gruppe um Erika Csomor überholte rollte ich mit der mit nach Klagenfurt. Ein Kameramotorrad, ein Wettkampfrichter Motorrad und das Damenführungsmotorad fuhren neben der 8-Mann Gruppe. Und ich ganz am Schluss… Das Tempo der Gruppe war zwar nicht allzu hoch und mit fast 20m Abstand rollte ich nach wie nix, jetzt weiß ich wies einem gehen könnte wenn man gut schwimmt 😉 So konnte ich mich vor dem locker wieder auslockern und neue Spannung aufbauen für den anstehenden Marathon. 4:54 schauten heraus, minus 6 wären 4:48 womit ich ob der Umstände schon recht zufrieden war.

Der ideale Zeitpunkt um darauf zu sprechen zu kommen, wie sich die muskuläre Beanspruchung einer für mich noch unbekannten Laufdistanz auf meine Performance auswirken wird: Naja, nicht gut 😉 Also ich war zu Beginn wirklich stolz darauf, dass ich es schaffte mit moderatem Tempo zu beginnen (juhu, ich hab schnell gelernt nach der Radperformance), immer über 4er Schnitt auf einem Kilometer, obwohl ich mich fühlte als könne ich Bäume ausreißen! Ich genoss die ersten Kilometer durch die Menge, es war so ein Spaß zu laufen und dabei den Fans zuzuwinken und ein paar Scherzerl zu machen. Bis km28 lief es bis auf ein zwei kürzere Einbrüche recht gut, bevor mir ab dort zwei Dinge extreme Schmerzen bereiteten: Der rechte und der linke Oberschenkel! Die „Hundling“ wollten einfach nicht mehr! Ein 14km langer Leidensweg Stand bevor! Dinge, die mir eigentlich voll taugen (unrhythmische Streckenführung: auf und ab, hin und her), wurden zur Folter. Bergablaufen – auwehhh; Über Gehsteigkanten laufen – auwehhh; Kurven laufen – auwehhh … Überhaupt laufen – AUWEHAUWEHAUWEH 😉 Heut kann ich drüber lachen, aber mit jedem Schritt begann die Tortur von vorne – ich stieg ins Rehgalopp um, große Schritte – weniger Schmerzen (nicht nachahmen, schaut auf den Fotos beschhhhhheiden aus ;-)) Ich lief von einer zur nächsten Labe, wo ich wirklich ausreichend trank und aß ohne viel Zeit zu verlieren – ich glaube allein das hat mich davor gerettet völlig zusammenzukrampfen und mich nicht mehr bewegen zu können (es macht ja Sinn seinem Trainer vor dem Rennen hin und wieder zuzuhören). Mein Laufrhythmus  lautete wie folgt: Au – Au – Hawaii – Au – Au – Hawaii – … Also der Kopf wollte und war unbarmherzig zu meinem Körper! Und er zog das bis zur Ziellinie durch: kurz die Hände hochgerissen, versucht ansatzweise zu lächeln und JA! Hawaiiii!!! In dem Moment wusste der Kopf: jetzt ists vorbei und mein Körper sackte zusammen! Vorbei: nein, dann schoss mir in den Kopf, dass es ja noch Bier gibt – besser als jede Infusion! Unter Freudentränen raffte ich mich auf – die Schmerzen waren weg – Emotion pur.

Die Rache des Körpers folgte dann nach der Siegerehrung: Er schüttete Unmengen an Bier in sich, womit er den Kopf ausschaltete. Dienstagmorgen: die Erkenntnis, der Körper hat doch verloren 😉

Aber mittlerweile haben sich die beiden wieder versöhnt, ich kann sogar wieder Stiegen hinuntergehen und ich bekomm bei kleinen Fußmärschen kein Seitenstechen mehr 😉 Zeit also um die letzte Frage zu beantworten… hab ich meine Ziele erreicht:

Auf dem ersten Blick natürlich: Nein! Aber geh bitte, wenn ich mich jetzt darüber ärgere beim ersten Ironman „nur“ der 61. Rang mit einer für die Bedingungen „nicht so tollen Zeit“ von 9 Stunden 13 Minuten zu erzielen, müsst ich mir glaub ich auch von euch einiges anhören 😉 Aber nach meiner ersten Langdistanz weiß auch ich jetzt, dass in so einem Rennen so unglaublich viel passieren kann und bei mir war das der Fall und somit bin ich überglücklich und stolz auf mein Ergebnis! Mit dem Altersklassensieg geht’s auch nach Hawaii zur WM – und das war das primäre Ziel!!! Und das ist jetzt so richtig geil 🙂

Ich möchte mich nochmal bei Allen bedanken die zu Hause mitgefiebert haben, aber vor allem auch jenen, die mich vor Ort dermaßen angetrieben haben! Ohne euch hätt ich nicht so ein Rennen – vor allem gegen Schluss hin – machen können! Danke!

What’s up next?! Noch kein Plan 😉 Fix ist, dass ich mich am 12. Oktober in Kailua-Kona in die Fluten stürz, um mich ein wenig vor den Fischen zu fürchten, sonst wird in den nächsten Tagen geplant!

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