Michi Herlbauer kommt beim Ironman in Louisville/Kentucky als Gesamtzweite, mit einem Rückstand von nur knapp zwei Minuten auf die Amerikanerin Jennifer Spieldenner ins Ziel. „Meine Füße haben dem Marathon-Test bestanden und sind schmerzfrei“, freut sich Herlbauer, die mit 3:00:22 sogar die schnellste Marathonlaufzeit bei den Damen ablieferte.

„Es ist schon etwas enttäuschend; ich bin das 6. Mal beim Ironman am Podium – zum vierten Mal davon auf Platz 2“, so die Salzburgerin nach dem Rennen, „und dennoch bin ich im Großen und Ganzen glücklich, stolz und sehr zufrieden, dass mir mein Comeback nach der einjährigen verletzungsbedingten-Ironman-Pause so gelungen ist.“

Die Bedingungen für ihr Langstrecken-Comeback hätten härter nicht sein können; plötzlicher Temperatursturz von knapp 30 Grad auf unter 10 Grad zur Wochenmitte, strömender Regen am Renntag: „Es war ein megahartes Rennen, die Bedingungen waren extrem schwierig und ich hatte schon im Vorfeld ernsthafte Bedenken, ob ich vor allem die 180 Kilometer am Rad schaffen würde“, so Herlbauer, „am Tag vor dem Rennen sind wir in Louisville noch auf die Suche nach einem Radgeschäft gegangen, um warme Handschuhe und Überschuhe zu besorgen.“

Auch der Renntag selbst war mehr als turbulent: Die Schwimmdistanz musste kurz vor Start aufgrund der starken Strömung im Ohio River von 2,4 Meilen auf 0,9 Meilen verkürzt und der Kurs geändert werden – der Start verzögerte sich erheblich: „Damit kam ich gut zurecht und bin auch gut mit der ersten Gruppe weggekommen“ , so Michi Herlbauer, für die es dann jedoch einen echten Schreckensmoment geben sollte: „Man musste diagonal gegen den Strom schwimmen; bei der Wende hat mich die Strömung so stark gegen die Boje gedrückt, dass es mich unter Wasser zog und ich für einen kurzen Moment dachte, ich würde ertrinken.“

Wieder aus der Situation befreit, brachte Herlbauer die verkürzte Schwimmstrecke gut zu Ende. „Am Rad war es von Anfang an furchtbar kalt und nach 30 Kilometern war ich knapp davor, das Rennen abzubrechen – ich konnte nicht mehr schalten und es war furchtbar.“

Und dennoch kämpfte sie sich immer weiter nach vorne – in einem spektakulären Finish zündete sie einmal mehr ihren Laufturbo und machte es am Ende nochmal richtig spannend: „Fünf Kilometer vor dem Ziel konnte ich mich auf Platz Zwei vorarbeiten – auf die Führende fehlten mir am Schluss nur zwei Minuten. Der Marathon war – obwohl er so lang ist – am Ende doch zu kurz, um den Sieg zu holen.“

2 Minuten, die Michi Herlbauer auf den Sieg fehlten: „Daher ist der zweite Platz mit gemischten Gefühlen – knapp am Sieg und somit auch der Quali für Hawaii vorbei – das schmerzt natürlich“, so Herlbauer, „und trotzdem war es ein gutes Rennen und ein schöner Saisonabschluss. Jetzt gönne ich mir eine Pause, die ich auch wirklich brauche.“