Ein erstklassiges internationales Pro-Starterfeld wird beim DATEV Challenge Roth am 7. Juli an den Start gehen – darunter sechs der aktuellen Hawaii-Top Ten allein bei den Männern: Bart Aernouts (2.), David McNamee (3.), Braden Currie (5.), Matt Russell (6.), Andy Potts (8.) und Cameron Wurf (9.). Darüber hinaus sind noch weitere hochkarätige Athleten aus Deutschland und der Welt am Start, so dass sich auch dieses Jahr wieder die Elite der internationalen Triathlon-Szene bei Europas legendärem Langdistanz-Klassiker in Roth treffen wird.

Doch zunächst zu den deutschen Startern. Deutschland ist mit ganz besonderen Athleten in Roth vertreten: Andreas Dreitz und Andreas Böcherer. Andi Dreitz, der Franke aus der Metropolregion Nürnberg, wusste im Vorjahr mit seinem zweiten Rang in Roth voll zu überzeugen. Mit seiner Wahnsinns-Zeit von 7:53:06 Stunden machte Dreitz bei seinem erst zweiten Langdistanzrennen (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen) zusammen mit Sieger Sebastian Kienle den deutschen Doppelsieg perfekt. Schon 2017 hatte er aufhorchen lassen, als er bei seinem ersten Langdistanz-Start überhaupt den Ironman Italy gewann. Im Oktober 2018 konnte der in Michelau in Oberfranken lebende Athlet beim Ironman Hawaii den 13. Platz klarmachen, seine starke Radzeit von 4:15:18 Stunden half ihm dabei. Andreas Böcherer aus Freiburg im Breisgau, der zum ersten Mal in Roth an den Start geht, löste Dreitz im September 2018 als Sieger des Ironman Italy ab, seine Zeit war knapp zwei Minuten schneller als die von Dreitz: 8:01:50 ist gleichzeitig Böcherers persönliche Bestzeit. Andreas gegen Andreas: Wie wird die Erfolgsbilanz am Ende des 7. Juli für die beiden aussehen?

Wieder in Roth dabei ist auch der aktuelle Hawaii-Zweite Bart Aernouts – in Roth als Champion 2017 bestens bekannt. Als der Belgier damals seinen überraschenden Roth-Sieg feierte, hatte ihn – trotz zweier vorausgegangener Ironman-Siege – keiner so richtig auf der Rechnung gehabt. Das änderte sich mit und nach Roth schlagartig. Im Jahr darauf gewann der 34-Jährige den (ohne Schwimmwettbewerb ausgetragenen) Ironman Hamburg und katapultierte sich dann im Oktober auf Hawaii endgültig in den Fokus der Triathlon-Welt: Absolut spektakulär war sein zweiter Platz, gerade mal vier Minuten hinter Sieger Patrick Lange. Der Vize-Weltmeister, der ja auch ein höchst erfolgreicher Duathlet ist und 2010 sogar Duathlon-Weltmeister wurde, kann sowohl beim Radfahren als auch beim Laufen mit herausragenden Leistungen überzeugen – seine aktuellen Split-Zeiten von Hawaii (Rad 4:12:26, Lauf 2:45:42) beweisen Stärke in beiden Disziplinen. Auch beim DATEV Challenge Roth könnte dieses Allround-Talent ein Vorteil für den Antwerpener sein.

Aus Großbritannien kommt der Hawaii-Dritte David McNamee zum Legendenrennen nach Roth. Auch schon 2017 erreichte der 30-jährige Schotte auf Hawaii den dritten Platz, holte damals als erster Athlet aus dem Vereinigten Königreich eine Medaille und konnte 2018 die Bronzemedaille mit persönlicher Bestzeit von 8:01:09 Stunden verteidigen. Beachtlich war vor allem seine Marathonzeit von 2:46:03 Stunden. Der für das EJOT Team TV Buschhütten startende McNamee ist erst seit 2015 auf der Triathlon-Langdistanz unterwegs und konnte im gleichen Jahr bereits den Ironman UK für sich entscheiden.

Auch zwei US-Amerikaner, die sich zur Triathlon-Weltelite zählen dürfen, suchen in Roth ihr Glück: Matt Russel und Andy Potts. Der 42-jährige Potts, der seine sportliche Karriere als Schwimmer begann und in dieser Disziplin bis heute stark ist, ist siebenfacher Ironman-Sieger, im Oktober erreichte er auf Hawaii den achten Rang. Zwei Plätze weiter vorne landete Matt Russel, wozu vor allem seine extrem starke Radzeit beitrug. Seit 2011 ist der 1983 in Lisbon/New York geborene Russell Triathlon-Profi. 2012 gewann er den Ironman Canada und hat seither viele Top drei-Platzierungen bei Wettkämpfen aufzuweisen. Seine persönliche Bestzeit liegt bei 8:04:24 Stunden.

Ein ausgewiesener Radspezialist ist der Australier Cameron Wurf, der nach 2018 nach Roth zurückkehrt. Seit 2007 war der 35-Jährige als Radrennfahrer erfolgreich, wechselte dann 2015 zum Triathlonsport und gewann mit dem Ironman Wales 2017 seine erste Triathlon-Langdistanz. Mit unglaublichen 4:09:06 stellte Wurf beim Ironman Hawaii 2018 (bei allerdings untypischen Bedingungen) einen neuen, vielbeachteten Radrekord auf. Beim Marathon musste er jedoch abreißen lassen und konnte „nur“ als Neunter finishen. Seither liegt sein Trainingsschwerpunkt klar auf dem Laufen, und er hat in dieser Disziplin bereits erstaunliche Fortschritte gemacht: Während Wurf in Roth 2018 beim Marathon noch 3:01:42 und auf Hawaii 3:06:18 Stunden unterwegs war, konnte er beim Ironman Western Australia im Dezember 2018 bereits eine Laufleistung von 2:56:29 Stunden abrufen. Damit könnte dieses Jahr in Roth durchaus Großes drin sein.

Immerhin mit einem 12. Rang auf Hawaii überzeugte 2018 sein Landsmann Tim van Berkel, 2014 reichte es dort sogar für einen siebenten Platz. Ansonsten hat der 34-Jährige „Berky“ zwei Challenge-Siege (Challenge Copenhagen 2010 und 2011) und zwei Ironman-Siege (Western Australia 2008 und Cairns 2016) in seiner Vita stehen.

Die große Triathlon-Nation Neuseeland ist mit dem Hawaii-Fünften Braden Currie beim DATEV Challenge Roth vertreten. Im Juni zuvor konnte er den Ironman Cairns mit einer sagenhaften persönlichen Bestzeit von 7:54:58 Stunden für sich entscheiden, ein weiterer Langdistanz-Sieg stammt aus dem Jahr 2017 (Ironman Neuseeland). Currie ist auch ein erfolgreicher Cross-Triathlet und hat darüber hinaus auch dreimal in Folge (2013-2015) die „Coast to Coast“ World Multisport Championships (Lauf, Rad, Kajak) gewonnen.

Aus dem italienischen Fleimstal (Trentino) kommt der 38-jährige Alessandro Degasperi. Seine erste Langdistanz beim Ironman Frankfurt brachte ihm 2014 den fünften Platz ein, zweimal konnte er seither (2015 und 2018) den Ironman Lanzarote gewinnen und einige weitere Top Drei-Platzierungen erringen. Das Pro-Field in Roth wird außerdem verstärkt durch den erst 28-jährigen Kanadier Cody Beals, der in seiner kurzen Karriere schon zwei echte Kunststücke fertiggebracht hat. Bei seinem Langdistanz-Debüt beim Kanada-Ironman in Quebec gelang ihm auf Anhieb der Sieg, nur fünf Wochen später prompt auch noch der Sieg beim Ironman Chattanooga (verkürzte Distanz, ohne Schwimmen). Der Mann könnte noch eine große Karriere vor sich haben.

Duell bei den Frauen?
Echte Hochkaräter hat auch das Frauenfeld aufzuweisen – hier liegt eine Sensation förmlich in der Luft. Dafür stehen in erster Linie zwei Namen: Laura Philipp und Lucy Charles. Mit der 31-jährigen Heidelbergerin Laura Philipp kommt eine absolute Ausnahme-Athletin nach Roth. Sie hat 2018 alle wichtigen Halbdistanz-Rennen gewonnen und im Oktober bei ihrer allerersten Triathlon-Langdistanz in Barcelona nicht nur den Sieg mit neuem Streckenrekord geholt, sondern auch gleich noch den von Daniela Sämmler (jetzt Bleymehl) 2018 in Roth aufgestellten deutschen Rekord unterboten. Mit ihrer Siegzeit von 8:34:57 Stunden hält sie außerdem die weltweit siebtbeste Zeit bei den Frauen auf der Langdistanz. Von Chrissie Wellingtons legendärer Weltbestzeit (8:18:13 Stunden, aufgestellt beim Challenge Roth 2011) trennen sie nur noch 16 Minuten…

Das riecht geradezu nach einem Duell mit der aktuellen Hawaii-Zweiten Lucy Charles. Die Britin, die 2018 auch den DATEV Challenge Roth als Zweitplatzierte finishen konnte, hat auf Hawaii eine unglaubliche neue persönliche Bestzeit von 8:36:34 Stunden aufgestellt (zuvor in Roth hatte sie noch sechs Minuten länger gebraucht) und dort auch den Schwimmrekord gebrochen. Die erst 25-Jährige aus Hertfordshire gehört fraglos zu den besten Triathletinnen der Welt. Zweimal (2017, 2018) konnte sie in ihrer noch jungen Karriere bereits die Challenge World Championship gewinnen, dazu kommen zwei Ironman-Siege auf der Langdistanz (2017 Lanzarote, 2018 South Africa). Die Deutsche Laura Philipp oder die Engländerin Lucy Charles – wer von beiden wird das Duell in Roth für sich entscheiden und sich vielleicht sogar die Chrissie Wellington-Krone aufsetzen?

Mit Sarah Crowley aus Australien wird auch die aktuelle Hawaii-Sechste in Roth an den Start gehen und vermutlich ganz vorne ins Geschehen mit eingreifen. Die 36-Jährige aus Adelaide wurde 2017 Weltmeisterin der ITU Long Distance Triathlon World Championships und im gleichen Jahr Dritte beim Ironman Hawaii, zuvor hatte sie bereits den Ironman Cairns sowie den Ironman Germany in Frankfurt gewonnen. 2018 gelang ihr der Sieg beim ohne Schwimmwettbewerb ausgetragenen Ironman Hamburg, es folgte der sechste Platz auf Hawaii und im Dezember schließlich der Sieg beim Ironman Mar del Plata (verkürzter Schwimmwettbewerb).

Bestens bekannt in Roth ist Laura Siddall (Großbritannien), die aktuelle ETU-Europameisterin auf der Triathlon-Langdistanz im Rahmen des Challenge Madrid. Zuvor hatte die 38-Jährige in Roth den vierten Platz mit einer persönlichen Bestzeit von 8:48:42 Stunden erreicht, im gleichen Jahr gewann sie zum zweiten Mal den Ironman Australia und erstmals auch den Ironman New Zealand. Laura Siddall hat außer der britischen auch die australische Staatsbürgerschaft und lebt abwechselnd in Sydney, San Francisco und Spanien.   

Aus dem deutschen Lager kommt eine weitere große Athletin: Anja Ippach (ehemals Beranek) kehrt unter ihrem neuen, alten Namen zum DATEV Challenge Roth zurück. Die in Bamberg geborene und in Fürth lebende „Lokalmatadorin“ ist seit jeher ein Publikumsliebling der Rother. 2015 wurde sie Dritte und Deutsche Meisterin beim DATEV Challenge Roth, 2016 belegte sie den fünften Rang. Zwei Langdistanz-Siege (Ironman Switzerland 2013, Wales 2015) stehen außerdem in der Vita der 34-jährigen Athletin. Beim Ironman Hawaii 2016 erreichte sie als beste Deutsche den vierten Rang.

Das Pro-Field der Frauen komplettiert die Kanadierin Rachel McBride. Nach einer Laufsportkarriere begann die Athletin mit dem Spitznamen „Purple Tiger“ mit Triathlon und startet seit 2011 als Profi. 2013 wurde sie kanadische Meisterin und Dritte bei der ITU-Weltmeisterschaft auf der Langdistanz. 2017 belegte sie beim Ironman Canada ebenfalls den dritten Platz und im April 2018 wurde die mittlerweile 40-jährige Athletin Vierte beim Ironman South Africa.