Mit der Ankündigung von IRONMAN, eine neue virtuelle Rennserie ins Leben zu rufen, kam ordentlich Bewegung in die Szene. Dass das Coronavirus die „reale“ Triathlonwelt vollständig lahm legen wird, hätte wohl keiner der großen Player in der (virtuellen) Sportindustrie für möglich gehalten. Dass sich in der Hochblüte des Frühlings zigtausende Sportler in den virtuellen Welten von Watopia oder auf den Videostrecken auf Rouvy tummeln, hätte vor wenigen Wochen ebenfalls niemand erwartet.

Vielleicht liegen gerade auch aus diesem Grund die Nerven blank. Es wäre zumindest eine Erklärung für jene Mail, die heute in unserem Postfach lag. Der Absender war IRONMAN, genauer gesagt die Verantwortlichen der IRONMAN VR-Serie. Dort war zu lesen, dass Strava, das weltweit größte „Social Network“ für Sportler, es ab sofort verbietet, ihre Files auf die IRONMAN-Plattform hochzuladen.

Teilnehmer an IRONMAN VR-Bewerben müssen nun die Device ihrer Sportuhr direkt mit der IRONMAN-Plattform koppeln. Eigentlich keine große Sache, aber ärgerlich und durchaus auch ungewöhnlich für die sonst so offene Internetcommunity.

Was steckt dahinter?

Was genau dahinter steckt, werden sich jetzt viele Athleten fragen. Antworten gibt es darauf mehrere. Einerseits ist da natürlich eine gewisse Konkurrenzsituation, denn IRONMAN unterwandert auf diese Weise auch das Geschäftsmodell von Strava oder es nützt es zumindest aus. Denn Strava war bis dato jene Plattform, die Sportler unabhängig vom Anbieter ihrer genutzten Sportuhren oder anderer Gerätschaften, in ihrer unkomplizierten Datensammlung und Auswertung verband.

Strava könnte befürchten, dass IRONMAN ihre Marktmacht ausnützt, um selbst eine starke Community zu gründen und Strava dafür sogar noch benützt.

Weiters gibt es noch einen großen Player, der zwar kein wirtschaftliches Nahverhältnis, jedoch eine sehr enge Kooperation mit Strava pflegt. Zwift, der Platzhirsch und Vorreiter des virtuellen Indoor-Trainings- und Racings.

Dass IRONMAN mit ihrer Rennserie mit dem aufstrebenden Mitbewerber Rouvy kooperiert und deren Plattform nutzt, dürfte Zwift wahrscheinlich nicht gefallen. In wieweit es im Vorfeld Gespräche zwischen IRONMAN und Zwift gegeben hat, entzieht sich unserer Kenntnis.

Doch die Tatsache, dass Zwift am letzten Wochenende den ersten Bewerb einer eigenen Profitriathlon-Serie durchgeführt hat, kann durchaus als Kampfansage an den amerikanischen Outdoor-Gigangen gesehen werden.

Technische Unstimmigkeiten wohl Hauptgrund

Der Hauptgrund des Plötzlichen Aus der Strava-Anbindung an den virtuellen Club von IRONMAN dürfte allerdings technischer Natur sein. IRONMAN nützt für seinen VR-Club und seine Rennserie die Dienste einer französischen Softwarefirma namens Sportheroes. Diese Firma besitzt laut Bericht des Tech-Bloggers DC Rainmaker eine Schnittstelle, einen so genannten Key zu Strava und kann die Daten für eigene Zwecke nutzen.

Sportheroes ihrerseits arbeitete offenbar über den selben Key mit IRONMAN zusammen und gab die Daten auf diesem Wege weiter, was einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen von Strava bedeutet. IRONMAN müsste hier einen eigene Schnittstelle verwenden. Angeblich soll es es dazu von Seiten von Strava in den letzten Wochen einige Vorwarnungen gegeben haben, nun zog man scheinbar den Stecker.

Nutzer der IRONMAN VR-Plattform müssen sich nun über den Punkt „Settings“ direkt mit der Plattform ihrer Sportuhr verbinden, der bequeme Weg über Strava ist, zumindest für den Moment, gesperrt.