alkohol

Dass Sport und Alkohol nicht wirklich gut zusammenpassen, sagt einem eigentlich schon der logische Menschenverstand. Doch wie setzt man die Grenzen? Gibt es das „gesunde Achterl“ oder das „gesunde Bier“? Was passiert mit unserem Körper, nachdem wir einmal zu tief ins Glas geschaut haben? triaguide-Herausgeber Andreas Wünscher hat mit der Ernährungsexpertin Caroline Rauscher über das Thema gesprochen und ist erstaunt, wie stark die Auswirkungen von Alkohol auf unseren Körper tatsächlich sind.

triaguide: Vor einiger Zeit bin ich zufällig auf einen Fachartikel gestoßen, der sich mit dem Thema Alkohol und Sport beschäftigt. Dass der übermäßige Genuss von alkoholischen Getränken nicht optimal für Leistungssportler ist, versteht sich von selbst, aber welche Auswirkungen das tatsächlich haben kann, hat mich selbst fast schockiert. Kannst du uns in kurzen Worten erklären, was da in unserem Körper passiert, wenn wir „über den Durst“ trinken?

Caroline Rauscher: Es wird eine ganze Kaskade an hormonellen Veränderungen losgetreten: Testosteron und Wachstumshormone erniedrigen sich, Cortisol und Leptin erhöhen sich. Alkohol ist schlecht für den Fettabbau und begünstigt sogar den Fettaufbau. Die Proteinsynthese wird reduziert und Alkohol hemmt auch den Einfluss der Wachstumshormone. Diese verschiedensten Auswirkungen auf hormoneller Seite wirken auch relativ lange nach, also die negativen Auswirkungen sind auch dann noch spürbar, wenn man wieder nüchtern ist. Die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf das hormonelle System, sondern haben auch direkten Einfluss auf den Kohlenhydratstoffwechsel, auf die Regeneration, die Thermoregualtion und auf Verletzungen.

t: Ein alter Spruch besagt ja, dass ein Vollrausch dich um 2 Wochen im Training zurückwirft. Ist das übertrieben oder sind die Auswirkungen wirklich so stark?

CR: Ja, das ist tatsächlich so.

t: Kannst du uns erklären, was da genau im Körper vor sich geht?

CR: Im Körper kommt es zu den oben genannten Verschiebungen auf Hormonebene, die eben länger nachwirken zu einer Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit führen: Testosteron ist wichtig für Leistungsentwicklung, erhöhte Cortisolspiegel (Cortisol=Stresshormon – Anm.) eher kontraproduktiv. In der Leber wird die Synthese der wichtigen Wachstumshormone reduziert und deren Einfluss gehemmt. Das heißt, anabole Stoffwechselwege werden negativ beeinflusst. Alkohol hat auch negative Auswirkungen auf das Körpergewicht: Erstens hemmt er die Lipolyse (Fettabbau) , zweitens regt er die Liponeogenese (Fettaufbau) an. Drittens hat er eine hohe Energiedichte ca. 7,1 kcal/g. Die Auswirkungen auf die Regeneration (Recharching und Rehydrierung) sind ebenfalls negativ: in der Regenerationsphase sollen dem Lörper die verbrauchten Kohlehydrate, Elektrolyte und Flüssigkeit zugeführt werden. Alkohol regt die Diurese an, d.h. der Körper verliert auch noch zusätzlich Wasser. Wenn eine Einheit zu Ende ist, dann ist man in der Regel schon dehydriert und hat wenig gegessen, das heißt wiederum, dass der getrunkene Alkohl schnell resorbiert wird. Alkoholische Getränke enthalten nicht die notwendige Menge an Natrium, und er hat auch negative Auswirkungen auf den Kohlenhydratstoffwechsel. d.h. die Wiederbefüllung mit Glycogen verschlechtert sich in dieser Phase. Werden in Kombination mit Alkohol in der Post Exercise-Phase keine Kohlenhydrate zugeführt, wird in der Leber wenig Glycogen neu gebildet und das wenig vorhandene auch noch schneller abgebaut. In der Praxis ist es aber meist so, dass Alkohol ohne zusätzliche Kohlenhydrate getrunken wird. Der Schlaf verschlechtert sich auch drastisch, was die Qualität aber aber auch die Quantität anbelangt, was wiederum schlecht für die Regeneration ist. Auch der Einfluss von Alkohol auf die Thermoregulation ist hoch. Gefäße erweitern sich unter Alkoholeinfluss, es geht zusätzlich Wärme verloren, verstärkt wir dieser Effekt durch auftretende Hypoglykämie. Deshalb lauert im Winter Gefahr der Unterkühlung oder Verletzung – wenn zum Beispiel ein Gelenk verletzt ist, dann versucht man durch Kühlung abzuschwellen. Dabei verengen sich die Blutgefäße. Alkohol hat genau den umgekehrten Effekt, wodurch die Schwellung stärker würde.

t: Dann ist das „gesunde Glas Rotwein“, das die Durchblutung fördert, auch nur ein Mythos?

Ein Glas Rotwein ist sicher gesund. Vielleicht nicht unbedingt in einer intensiven, leistungsorienterten Trainings- oder Wettkampfphase. Die Durchblutung zu Regenerationszwecken, die kann man anders bestimmt besser und Nebenwirkungsfrei anregen. Alkohlarmes- bzw freies Bier ist eine Bier-Alternative.

t: Caro, wir danken für das Gespräch

Caroline Raucher ist Ernährungsberaterin und betreut mit ihrer Firma „NFT – Nutritional Finetuning“ Weltklassesportler aus vielen Sportarten. Viele Spitzen- aber auch Hobbysportler vertrauen auf das Wissen und die Produkte der Ernährungsexpertin. Unter diesem Link finden sich viele weitere Infos: www.nutritional-finetuning.de/ernaehrung.htm

Bild (c) Markus Jürgens  / pixelio.de