Was die Fußballer können, könen die Triathleten am Chiemsee erst recht: Spannung bis zum Schluss bieten. Beim zweiten Raceday des 7. EBERL Chiemsee Triathlons lieferten sich die Sportlerinnen und Sportler am Sonntag sowohl auf der Kurzdistanz, als auch auf der Mitteldistanz umkämpfte und knappe Rennen. Auf der Wieninger Privatbrauerei Mitteldistanz erfüllte sich Markus Fachbach vom Pro-Team-Mohrenwirt endlich den Traum vom dritten Sieg. Die Österreicherin Michaela Herlbauer war schnellste Frau über die 2 Kilometer Schwimmen, 80 Kilometer Radfahren und 20 Kilometer Laufen. Die Spedition Eberl Kurzdistanz (1,5km/40km/10km) war dagegen voll in Händen der anderen Mohrenwirt-Athleten: Marc Eggeling und Carolin Lehrieder holten sich jeweils den Sieg. Mit um die 130 Paratriathleten und Gehörlosen gilt der Wettkampf im und ums Bayerische Meer als der weltweit größte Triathlon für Menschen mit Behinderung. Neben der 4. Deutschen Gehörlosen Meisterschaft über die Kurzdistanz wurde auch die 11. Bayerische Polizeimeisterschaft am Chiemsee ausgefochten. „Ein Dank geht an alle, die diese super Veranstaltung möglich machen! Klasse Wetter, tolle Stimmung und top Leistungen von allen Teilnehmern“, lobte dann auch (Sonnen-)Schirmherr und Wintersport-Legende Tobias Angerer den Event später auf seiner Facebookseite.

Entgegen aller Vorhersagen wurden die Sportler am frühen Sonntagmorgen nicht vom Regen begrüßt. Es war auch nicht mehr so windig wie noch während der Puma Volksdistanz am Vortag. Die Sonne kam mehr und mehr raus und bescherte den mehr als 900 Sportlerinnen und Sportlern optimale Wettkampfbedingungen. Nach dem Startschuss der Böllerschützen ging es vom Chieminger Strandbad ab in den Chiemsee. Die meist in schwarzen Neoprenanzügen gekleideten Sportler kämpften durch die Wellen. Erst die Mitteldistanzler über die zwei Kilometer. Anna-Lena Pohl nahm ihre Motivation vom Sieg beim Erding Triathlon in der Vorwoche mit und kam als erste wieder am Ufer an. Immer mehr Sportler stiegen aus dem Wasser, jagten zu ihren Rennmaschinen und mit denen dann über die selektive Radstrecke im idyllischen Chiemgau. Inzwischen waren auch die Kurzdistanzler im Wasser und das Feld mischte sich zusehends. Gerade auf der Radstrecke trieben die Sportler die Spannung für die Zuschauer in die Höhe. Auf der ersten 40-Kilometer-Runde der Wieninger Privatbrauerei Mitteldistanz lag lange der Slowene Jaroslav Kovačič in Front, namhafte Konkurrenz wie Horst Reichel oder Markus Fachbach ihm im Nacken. Dann rollte Roman Deisenhofer das Feld sichtlich von hinten auf und setzte sich einsam an die Spitze. Doch die Jagd durchs Voralpenland hatte zu sehr an seinen Kräften gezehrt, so dass die erfahreneren Reichel und letztendlich Fachbach wieder an ihm vorbeizogen. Letzterer hatte im Vorfeld schon gesagt, dass er nach 2013 und 2014 gerne seinen dritten Sieg am Bayerischen Meer holen möchte. Dieser Wunsch und seine Laufstärke ließen ihn sich seinen Traum erfüllen. „So macht mein Job Spaß“, sagte der Profi vom Pro-Team-Mohrenwirt. Reichel wurde Zweiter, Deisenhofer sicherte sich den dritten Platz. Bei den Damen war es nicht minder spannend. Die Österreicherin Herlbauer, schon im Vorfeld als Favoritin gehandelt, holte sich die Pole Position auf dem Rad – und ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. „Ich weiß jetzt, warum es ‚Das Rennen‘ heißt“, so Herlbauer über den EBERL Chiemsee Triathlon. „Es ist eine Challenge von Anfang bis Ende, ein geniales Rennen.“ Hinter ihr belegten Anna-Lena Pohl und Jenny Schulz, die ihren Traum vom ersten Sieg am Chiemsee noch einmal verschieben muss, die restlichen beiden Podestplätze. Die Top-3-Staffeln waren „Mein persönlicher Favorit“ um Michael Weber, Willi Herbst und Martin Grill vor „Die Hurtigen“ bestehend aus Leonie Horn, Marchelo Kunzelmann und Loza Stefan Hurter sowie „AJM Tria“ mit Michael Zajcev, Alexander Schneider und Jochann Wolfgruber.

Auch auf der Spedition EBERL Kurzdistanz wurde bis auf die letzten Meter um den Sieg gekämpft. Erst mit einem finalen Endspurt konnte sich Eggeling durchsetzen. „Eigentlich hatte ich den Sieg schon abgeschrieben, aber ich konnte mich noch zusammenreißen“, sagte er, der so Nikolaus Wihlidal und Michael Ager auf Distanz halten konnte. Eggelings und Fachbachs Team-Kollegin Lehrieder konnte ihre Erfahrung am Chiemsee ausspielen: „Ich war zum Glück nicht zum ersten Mal hier und da wusste ich, was für ein tolles Rennen mich erwartet.“ Sie verwies Vorjahressiegerin Lisa-Marie Dornauer und Renate Forstner, die auch schon mehrfach die Krone am Chiemsee geholt hatte, auf die Plätze zwei und drei. Im Team-Wettkampf siegte die „Die Biathlon-Cops“-Staffel mit Dominic Schmuck, Dominic Reiter und Johannes Donhauser vor der „Bananas in Pyjamas“-Staffel um Veronika Ehrenbauer, Christoph Allwang und Matthias Allwang sowie dem „Team Berchtesgaden “ mit Caroline Kurz, Seppi Pelzer und Alexander Brandner.

Wie in den Vorjahren hatten sich auch dieses Jahr wieder namhafte Wintersportler unter die Teilnehmer gemischt. Dieses Jahr die beiden Biathletinnen Vanessa Hinz und Tina Bachmann zu. „Man kann die Atmosphäre mit der beim Weltcup in der Chiemgau Arena in Ruhpolding vergleichen“, gab Bachmann ein kaum zu toppendes Lob ans Publikum am Chiemsee aus. Und Hinz, die nach etlichen Staffelteilnahmen das allererste Mal einen Triathlon komplett finishen wollte – und das genau beim EBERL Chiemsee Triathlon: „Ich war überwältigt von den vielen Leuten an den Strecken, ein jeder feuert einen an.“

Das spürten auch die 79 Polizeibeamten, die sich in der 11. Bayerischen Polizeimeisterschaft gemessen haben. Den Titel holte sich Michael Ager vor Stefan Högl und Johannes Zappe. Bayerische Polizeimeisterin im Triathlon ist Julia Greppmair, die „Vize“ Melanie Braunmueller und Judith Horner. Die Mannschaftswertung holte sich die „Bayerische Bereitschaftspolizei 1“ vor „PP Oberpfalz 1“ und „PP München 1“.

Die neuen Deutschen Meister im Gehörlosen Triathlon heißen Claudia Platzek, Barbara Bummer und Gabriele Echle bei den Damen sowie Kilian Deichel, Thomas Suslik und Martin Koppe bei den Herren.

Die Stimmung am Triathlon-Festival-Wochenende und die Tatsache, dass der EBERL Chiemsee Triathlon seine Teilnehmerzahl wieder steigern konnte, überzeugt auch die Entscheider vor Ort. „Wir werden dauerhaft hinter der Veranstaltung stehen, weil sie Werbung für den Chiemgau ist“, sagte Stephan Semmelmayer, Chef des Chiemgau Tourismus. Und auch der stellvertretende Traunsteiner Landrat Josef Konhäuser bekannte sich zu dem Event: „Es gehört zur Tradition einer Sportregion, dass man das hier veranstaltet.“ Abschließend brachte es Florian Brungraber, der erste Rollstuhl-Paratriathlet, der am Chiemsee gestartet war, auf den Punkt: „Was für ein griabiger Wettkampf!“

Weitere Informationen zum Wettkampf gibt es unter www.das-rennen.com.

Kommentare