Alles eine Frage der Einstellung

Ich befinde mich derzeit mit dem Triathlonprofi Michael Weiss in Port Elizabeth. Diesmal als Betreuer vor Ort für die IRONMAN African Championship.

Vor neun Jahren, also im Jahr  2010,  durfte ich dort selbst als Agegrouper an der Startlinie stehen und als Gesamt 22ter finishen. Wie es zu diesem, für mich trotz suboptimaler Vorbereitung, tollen Ergebnis kam und warum meine mentalen Fertigkeiten mich dabei unterstützen, darf ich in der nachfolgenden Geschichte kurz wiedergeben.

Meine Saisonvorbereitung für das Rennen im April 2010 lief nicht ganz nach Plan. Ein Labrum Einriss in der Hüfte bedeutet für mich eine mehrere Monate lange Laufpause. Erst im Trainingslager im Februar konnte ich den ersten längeren Lauf absolvieren. Nicht die beste Voraussetzung um für den Marathon gewappnet zu sein.

Dass die Vorbereitungen für ein Rennen selten optimal verlaufen ist sehr oft der Fall. Aber auf mich wartete schon die nächste Herausforderung. Wer kann sich 2010 noch an den Vulkanausbruch des fast unaussprechlichen Namens „Eyjafjallajökull“ in Island erinnern? Genau am 14. April schleudert der Vulkan kilometerhohe Aschefontänen in die Luft und diese ließen in Europa über hunderttausend Flüge ausfallen. Auch meine Anreise nach Südafrika war in Gefahr. Mein geplanter Flug, fünf Tage vor dem Rennen wurde gestrichen und die Chance, es doch noch nach Port Elizabeth zu schaffen sank gegen null. GAME OVER!

Der Frust saß tief, ich musste ihn irgendwie verarbeiten. Entweder mit Alkohol ertränken oder ihn in einer extra harten Hügellauf Einheit abbauen? Ich wählte Variante zwei! Die Folge war ein extremer Muskelkater in den Beinen!

Und plötzlich passierte doch noch das Unmögliche. Vier Tage vor dem Rennen bekam ich einen Anruf der Kollegen, es gibt am nächsten Tag einen Flug nach Südafrika. Jawohl, dann steige ich eben mit Muskelkater in den Flieger und mache mein Rennen. Auch das verspätet angekommene Gepäck konnte mich schlussendlich nicht mehr aufhalten. Trotz der vielen Umstände schaffte ich es mit meinen antrainierten mentalen Fertigkeiten, am Tag X mein Potential abzurufen.

Meine erarbeitete Routine vor dem Start unterstützte mich, bewusst in die Zone der idealen Leistungsfähigkeit zu kommen. Ich konzentrierte mich auf meine Stärken und meine Handlungen und schenkte dem Muskelkater keine Aufmerksamkeit. Ihr kennt sicherlich den Spruch:

Energie folgt der Aufmerksamkeit

Hätte ich mich zu sehr mit dem vorhandenen Muskelkater beschäftigt und ihm die Aufmerksamkeit geschenkt, dann hätte er Energie bekommen und die Kontrolle über mich übernommen. Die Folge ist, man fällt in die Opferrolle und ist im Problemdenken verhaftet. Des Weiteren nutzte ich die erarbeiteten mentalen Werkzeuge der „Selbstgesprächsregulation“. Damit fand ich unterstützende und motivierende Worte, um mich in jeder Phase des Rennens zu pushen und mich immer wieder auf meine Handlungen zu konzentrieren. Auch die wunderbare und wirkungsvolle Technik, um Wettkampfschmerzen in den Griff zu bekommen, funktionierte einwandfrei. Trotz hoher Wellen am Renntag, trotz starkem Wind auf der Radstrecke und sehr warmen Temperaturen beim Laufen konnte ich am Ende den Marathon noch in einer Zeit von 3h12min finishen. Am Ende wurde es Platz 4 in meiner AK. Der Hawaii Slot war für mich in diesem Jahr kein Thema, weil ich mich neben dem Sport voll auf meinen Unilehrgang zum akademischen Mentalcoach konzentrierte und eine Präsenzwoche versäumt hätte. Ich ging daher gar nicht zur Slotvergabe und weiß bis heute nicht, ob es für mich einen gegeben hätte. Den begehrten Slot holte ich mir dann ein Jahr später bei einem anderen Rennen!

Heute stehe ich mit positiven Erinnerungen wieder im Startbereich. Ohne gezielte mentale Vorbereitung damals, wäre das Rennen sicherlich ganz anders verlaufen.

In meinen Coachings sehe ich die positive Wirkung des mentalen Trainings in meiner täglichen Arbeit.

Ich empfehle dir, dass du dir rechtzeitig vor deinen großen Rennen einen „mentalen Werkzeugkoffer“ aneignest, um mit den erwartenden, herausfordernden Situationen im Training und im Rennen optimal umgehen zu können.

Überlege dir, wie viel Zeit und Geld du in dein Projekt LANGDISTANZ steckst und wie wichtig dir die Finisher Medaille ist. Da lohnt es sich umso mehr, auch in deine mentale Stärke zu investieren! 

Ich wünsche allen TeilnehmerInnen am Sonntag hier beim IRONMAN Südafrika viel Erfolg!

Be strong,

Wolfgang

Mehr zu Wolfgang Seidl findest du auf seiner Website www.mana4you.at