Musik kann uns nicht nur emotional, sondern auch körperlich beeinflussen. Der beste Beweis dafür ist die therapeutische Nutzung von Geräuschen und Tönen. Musiktherapie wird äußerst vielseitig eingesetzt, unter anderem zum Beispiel bei der Behandlung von Autismus, Hyperaktivität, Schmerz, Depression, Stress und Demenz. Doch Musik kann auch noch in anderen Bereichen eingesetzt werden. Da sie unseren Körperrhythmus beeinflussen kann, hat unsere Lieblingsmusik nämlich auch im Sportbereich ein riesiges Motivationspotenzial.

Der Sportpsychologe Hanspeter Gubelmann spricht bei Sportanfängern, die für ihr Training die richtige Musik auswählen, von Leistungssteigerungen von bis zu 20 Prozent. Was gut ankommt, hängt natürlich vom persönlichen Geschmack ab, doch ist man nicht schlecht damit beraten, wenn man seinen Trainingssoundtrack nach BPM (beats per minute) auswählt. Beim lockeren Laufen sind Songs mit 100 BPM zu empfehlen, bei forderndem Training 140 BPM und bei einer Trainingseinheit, in der man sich vollkommen verausgaben möchte, können Songs bis zu 160 BPM gespielt werden. Wählt man Musik, die zu schnell ist, dann kann es passieren, dass man sich zu sehr verausgabt. Es lohnt sich also, eine Playliste zusammenzustellen, die auf das individuelle Trainingsprogramm abgestimmt ist, um das Beste aus sich herauszuholen.

Vor allem Geduldsspiele und Ausdauersportarten, zu denen auch Triathlon gehört, können durch langsame, rhythmisch gleichmäßige Musik gut komplementiert werden. Nicht zu viele Schlageffekte und viele durchgängige Klangschemen sorgen dafür, dass man bei langen Turnieren länger konzentriert bleiben kann und weniger schnell die Lust verliert. Letztendlich liegt die Wahl aber natürlich bei jedem selbst.

Für viele Sportler ist Training ohne Musik fast unvorstellbar. Doch bei Veranstaltungen sieht man das oftmals etwas anders. Der US-Amerikanerin Jennifer Goebel wurde 2009 zum Beispiel der Sieg des Lakefront Marathons aberkannt, da sie zwischen Meile 19 und 21 Musik hörte. Die Veranstalter sprachen von „Musik-Doping“, wobei es nicht klar ist, ob die Musik wirklich einen Unterschied gemacht hat. Denn ein Forscherteam der University of North Carolina hat einen interessanten Trend feststellen können: Die Leistungen von starken Sportlern lassen sich wenig oder gar nicht von Musik beeinflussen. Es sind also vor allem die noch schwächeren Athleten, die von Musik als Leistungsverstärker profitieren können.

Einige Sportler empfinden Musik sogar nicht als Hilfe, sondern als Störfaktor, da sie von der eigenen Körperwahrnehmung ablenken kann. Viele Profisportler möchten zum Beispiel nicht abgelenkt werden, wenn sie versuchen, ihre Herzfrequenz zu kontrollieren oder auf ihre Lauftechnik zu achten. Auch wer noch weniger erfahren ist, kann negativ von Musik beeinflusst werden. So kann es nämlich passieren, dass man versucht, sein Tempo einem sehr schnellen Beat anzupassen und auf diese Weise zu lange über seine eigenen Verhältnisse rennt

Musik kann im Sport unter bestimmten Voraussetzung durchaus leistungsfördernde Wirkungen haben. Es kann deshalb von Vorteil sein, sie mit in seinen Trainingsplan einzubauen. Wichtig ist aber, dass man auf den eigenen Körper achtet, und immer genau weiß, wie weit man sich pushen kann, und wann die Grenzen erreicht sind.