Die Geschichte von #petziontour

Alles war so ein wenig anders. Und das plötzlich über Nacht. So ein tiefes, inneres Bauchgefühl klopfte an und meinte, dass ich auf meinen Körper hören sollte. Werde ich krank? War das Training inkl. der Arbeit der letzten Wochen zu viel? Vielleicht kommen nun der Stillstand und die körperliche Schwäche nach einem zu raschen Aufbau? Oder bin ich einfach nur hysterisch, weil bald ein großer Bewerb vor der Türe steht? Diese Vermutung erschien mir am Wahrscheinlichsten – ich war ein Triathlon Frischling. Dieser Bewerb war eine Nummer zu groß für mich. Dennoch waren die Zimmer gebucht, die Ketten geölt und der Neopren zusammengelegt. Doch mein Motor lief irgendwie auf Sparflamme. Zwei  Tage vor der WM Challenge Samorin machte ich dann doch zur Sicherheit einen Schwangerschaftstest, denn das Bauchgefühl war hartnäckiger als die Selbstzweifel. Und siehe da, er war positiv. Halleluja – oh mein Gott! Und juchu, aber auch oh mein Gott…was mache ich jetzt? Und sehe ich schon schwanger aus? Mir ist schon schlecht oder bin ich aufgeregt? Alles Einbildung?

Ruhig bleiben – inne halten – nachdenken- hinsetzen

„Andi ich bin schwanger…“ „Das habe ich mir irgendwie gedacht“, sagte mein Partner, als er die Stiegen hoch kam. Wirke ich schon so gereizt oder verändert? Was ist denn da überhaupt los? Wir freuten uns erst mal und zwar sehr sogar.

Die Zimmer in Samorin behielten wir. Andi sollte sowie so vor Ort sein, da er beruflich seine Pflicht erfüllen musste. Somit hatte ich genug Zeit den Start meiner AK zu genießen. Aber nicht im Wasser, sondern vom Land aus. Der Startschuss fiel und damit liefen meine Tränen. Tränen der Enttäuschung, der Freude, der Angst, der Hoffnung, der Ungewissheit und meiner emotionalen Überforderung. Mein Körper schien sich vom positiven Test an zu verändern – ich horchte, ich fühlte, wartete und horchte wieder. Kann ich noch laufen und Rad fahren? Wie lange darf ich das noch? Was werden die anderen dazu sagen? Katrin ohne Sport? Aber schwanger sein ist doch keine Krankheit. Aber Triathlon eine Sucht. 

Tausend Fragen, aber keine Antworten.

Die Gefühls-Übermanntheit ließ nach den ersten zwei Monaten allmählich nach. Mir war nun endlich nicht mehr so übel und insgesamt fühlte ich mich wieder fitter. Ich versuchte mich einzulesen und zu informieren – was darf man wie und wann. Wie hoch dürfen Intensitäten sein?  Es gibt zu diesem Thema wenig Literatur, beziehungsweise erstaunlich wenig was brauchbar wäre, da es hier um „Hobbyleistungssport“ geht. Man findet hie und da Erzählungen aus Foren sportlicher Mütter, aber keiner Triathletinnen.  Oft sind es Empfehlungen, die von Spaziergängen (denn Bewegung in der Schwangerschaft wird empfohlen) und Wanderungen handeln. Ich  hörte dann über eine befreundete Trainerin von einer Arbeit einer Sportwissenschaftlerin, die Triathletin war und sich mit dem Thema „Hochpulsigkeit in der Schwangerschaft“ auseinandersetzte. Laut dieser Arbeit gab es keine negativen Auswirkungen auf das Ungeborene durch kurz gehaltene Pulserhöhungen bei beispielsweise Intervallen. Doch was heißt jetzt kurz? Und wozu eigentlich nun Intervalle?

Verschiedene mich betreuende Ärzte rieten mir zum Thema Sport folgendes: „Tun Sie all das was Ihnen gut tut – dann ist alles erlaubt.“ Diese Aussage brachte mich in die 150% alleinige Verantwortung. Wenn man nun müde ist nach einem Training, war es dann schon zu viel? Oder ist das ganz normal?

Ich wechselte meinen Trainer. Ich war in einer neuen Situation angekommen und fühlte mich plötzlich nicht mehr gut wahrgenommen und verstanden – und das war mir nun das Wichtigste. Ich brauchte Sicherheit. Zu viel habe ich in den letzten Jahrzehnte auf einer Frühgeborenen Intensivstation gesehen – ich wollte alles richtig machen, wenig riskieren und trotzdem Triathletin bleiben. Meine Erwartungen und Anforderungen wuchsen. Ich sagte Adieu zu einer sehr lustigen, fordernden und exzessiven Zeit mit einer Trainingsgruppe, die auch ab und an gerne feierte. Ich passte auf, war sensibel und wollte vorweg eines nie – diesem kleinen heranwachsenden Wesen Schaden zufügen. Petzi lehrte mich von nun an vom Gas zu gehen. Doch eines blieb – die Frau, die diesen Sport liebte.

Ambitioniert versuchte ich Kritikern Triathlon zu erklären. Eigentlich versuchte ich mich immer wieder zu erklären. Warum mag man Leistungssport? Warum mag man das Extreme? Ist es ein Deckmantel oder gar eine besondere Form des Masochismus? Hierzu halte ich nun schriftlich fest- Triathlon ist für mich eine der erfüllensten, herausforderndsten (geistig als auch körperlich) und athletischsten Sportarten. Er wird medial viel zu klein gehalten und von vielen Menschen unterschätzt. Er zeigt uns auf drei Arten seinen Körper in einer ganz besonderen sportlichen Form wahrzunehmen.  Aber ja- er hat Suchtpotential und beansprucht sehr viel Zeit- Zeit, die früher für andere Dinge da war.

Zurück zum Thema.

Nach einiger Zeit der Gewöhnungsphase und des Einlebens mit meinem neuen Mitbewohner, beschloss ich meinem heranwachsenden Sohn mit „auf Tour“ zu nehmen. Ich wünschte mir einen Trainingsplan und eine professionelle sportliche Begleitung auf meiner Reise. Philipp Reiner mit Personal Peak vermittelte mir knapp 8 Monate lang das Gefühl, nach wie vor Leistungssport zu machen, ja – eine Athletin zu sein. Und ja, das brauchte ich. 

Die Veränderung im Körper passiert Schritt für Schritt und nicht umsonst dauert eine Schwangerschaft 9 lange Monate. Der Geist benötigt aber nach wie vor eine Herausforderung, ein Muster, eine Gewohnheit. Hätte ich das Training einfach eingestellt, wäre der Entzug vorprogrammiert gewesen und auch ein unwohles Gefühl. Einmal Bewegungsmensch, immer in Bewegung. Manchmal hatte ich den Eindruck einfach anders zu sein. Anders schwanger und anders denkend als der „normale“ Rest der Bevölkerung. Vor allem dann, als ich mit einer schon sichtbaren Kugel die Merangasse hinauf joggte oder im Fitnessstudio die Geräte verstellen musste, um Platz für sie zu haben.  Aber genau diese Rolle hatte ich ja auch gern.

Was habe ich nun tatsächlich trainiert?

Zunächst waren es noch 8-9 Stunden, immer mit dem Hintergrund der Erhaltung der Muskelkraft. Viele Bergtouren (u.a. ein Wanderurlaub in den Südtiroler Dolomiten), dabei baute mir Philipp immer lustige Stabi-Übungen ein. Das Laufen endete im September und wurde eben von sehr langsamen Bergauflaufen (danke meinem geliebten Schöckl) ersetzt. Radln konnte ich zuletzt draußen bei der Herbstausfahrt vom Rad Fuchs und von Personal Peak und erkannte schon, dass es mir energetisch zu lange wurde. Die Rolle war dann mein Bewegungsvehikel Nummer Eins – der Lenker wurde hoch gedreht, damit mein immer größer werdender Bauch Platz hatte. Das schaut sehr lustig aus und gottseidank hat Andi einige Videos gemacht, um diese Szenen festzuhalten.

Das Fitnessstudio wurde zum Teil mein neues Wohnzimmer, da ich dort Übungen mit wenig Gewicht zum Muskelerhalt gemacht habe und mit dem Ergometer mein Radtraining an einem Ort durchführen konnte. Manchmal erntete ich teils bewundernde, teils skeptische Blicke. Nachdem ich aber meist mit meinem 80-jährigen Vater dort war, der täglich trainiert – dachten sich die Skeptiker wahrscheinlich, dass wir einfach eine etwas seltsame Familie sind.

Das Schwimmen machte mir bis zuletzt große Freude und fühlte sich immer gut an. Ich kann mich noch gut erinnern, dass Petzi gegen Ende der Schwangerschaft viele Bewegungen mit„übte“. Im Wasser fühlte man sich leicht und beim Rückenschwimmen konnte man nicht übersehen werden. Was hier wichtig war – der Platz. Ich achtete darauf, immer in einer fast leeren Bahn zu schwimmen, um versehentlichen keine Tritte abzubekommen.

Insgesamt verschlechterte sich meine Fitness in den ersten zwei Monaten, da ich auch das stetige Gefühl hatte, zu wenig Luft zu haben. Das erklärt sich durch den erhöhten O2 Bedarf des heranwachsenden Wutzis. Weiter war es mir flau bis übel und das hemmte einen zunächst sich zu bewegen. Allerdings hörte es während der Bewegung auf und das war extrem wichtig und positiv. Danach fühlte ich mich fit, ausgeschlafen, gut ernährt (darauf achtete ich extrem) und leistungsfähig. Aber mein Körper zeigte sofort wenn etwas zu viel war und ich akzeptierte es und ließ es weg.

Philipp bemühte sich sogar eigene Stabiübungen für mich zu finden. Sie hatten das Beckenbodentraining und später spezielle Yogaübungen im Fokus.

„Ich resümiere: auf einmal hatte ich unendlich viel Zeit…“

…Zeit mich auf meinen Körper zu konzentrieren, Zeit zu trainieren. Keine Arbeit, die müde machte, kein Stress, kein Druck. Herrlich. Eine Zeit, die man so noch nie erlebt hat. Die gesamte Schwangerschaft erfolgte problemlos. Ich beendete das Radfahren im ca. 7./8. Monat, da mein Steißbein extrem schmerzte. Ich ließ mich ab und an physiotherapeutisch behandeln. Physiologisch werden Bänder und Muskulatur zum Ende der Schwangerschaft weicher, um eine natürliche Geburt zu ermöglichen. Hier hat es dann wenig Sinn dagegen zu wirken. Der letzte Monat stand voll im Sinne der Entspannung und mentalen Vorbereitung auf die Geburt.

Nun aber ein persönlicher Rat an alle werdenden Mütter zum Thema Bewegung/Sport in der Schwangerschaft: Im Vordergrund sollte das Einlassen und Wahrnehmen des eigenen Körpers und des Babys stehen. Lehnt euch so oft es geht zurück, schlaft, ruht euch aus. Esst gut und umgebt euch nur mit Menschen, die euch gut tun. Tut Dinge, zu denen ihr sonst nie kommt. Die Zeit danach wird einmalig und wunderbar, aber auch sehr stressig, zeitintensiv und schlafraubend. Ein immer bewegter Körper lässt sich schnell wieder aufbauen. Ruhe und Innehalten und kontrollierte Bewegung ist für mich der Schlüssel zum Erfolg eine gesunde Schwangerschaft zu erleben.

Danke Petzi, dass du alles so toll mitgemacht hast. Und er bewegt sich nun gerne und viel und braucht das auch – das gebe ich mit zu bedenken☺.