Die Anforderungen an Sportbekleidung sind hoch: Sie soll nicht nur gut sitzen, sondern auch atmungsaktiv, schweißabsorbierend, schnell trocknend, ultra-leicht und noch vieles mehr sein. An Nachhaltigkeit denkt da im ersten Moment noch niemand. Vielen Sportlern wird jedoch ein nachhaltiger Lebensstil immer wichtiger und neben Lebensmittel und Körperpflege, wird auch bei der Bekleidung Nachhaltigkeit immer wichtiger. Doch funktioniert das bei Funktionsbekleidung? 

Wir haben mit Sylvia von Lanakila gesprochen. Sylvia war als Studentin leidenschaftliche Globetrottern und bereiste die schönsten Gegenden und Strände. 10 Jahre später, als sie wieder auf ihrer alten Route reiste, war sie von dem vielen, teilweise ganz klein gehexelten, Plastikmüll im Meer, der auch an die Strände gespült wurde, derartig schockiert, dass sie danach ihr Verhalten als Konsumentin und Triathletin in Frage stellte. Im Triathlon fehlte ihr das damals aber gänzlich und so begann sie 2016 ihre eigenen Tri Suits zu gestalten und entwickelte damals den weltweit ersten Triathlon Anzug aus recyceltem Plastikmüll, der aus dem Meer gesammelt wurde. Im selben Jahr entstand daraus die Marke LANAKILA. Seitdem ist die Kollektion stark gewachsen und wird kontinuierliche erweitert. Immer unter der Bedingung, dass jedes neue Produkt für sie als Sportlerin pragmatisch, aber auch stilvoll konzipiert ist, perfekt passt, funktionell wirkt und gleichzeitig den kleinstmögliche ökologischen Fußabdruck hinterlässt.

Sylvia, erzähl uns mal etwas über das Material. Verhält sich nachhaltige Funktionskleidung gleich wie „normale“ Funktionskleidung? Und erklär uns gerne auch ein paar Details zum Material der LANAKILA Produkte.  

Für unsere Performance-Linie verwenden wir Stoffe aus recyceltem Polyester. Das heißt, es wurden Plastikflaschen aus dem Meer gefischt, eingeschmolzen und zu neuen Garnen aufbereitet, die dann zu Stoffen versponnen werden. 

„Unsere sehr hochwertigen Stoffe sind hochfunktional und genau so gut wie die hochwertigsten neuen Polyesterstoffe. Aber sie benötigen deutlich weniger Ressourcen.“ 

Wenn man sich Ökobilanzen ansieht, schneidet rPET deutlich besser ab als reines PET. Recyceltes Polyester gibt einem Material ein zweites Leben, das nicht biologisch abbaubar ist und andernfalls auf Deponien oder im Meer landen würde. Seine Herstellung benötigt 59% weniger Energie, wie eine Studie des Schweizer Bundesamtes für Umwelt aus dem Jahr 2017 ergab. Die Produktion von rPET kann die CO2-Emissionen um 32% im Vergleich zu herkömmlichem Polyester reduzieren. Darüber hinaus kann auf die Gewinnung neuen Erdöls verzichtet werden. Stellt euch vor, es würden alle mitmachen. Wir könnten unsere Plastikmüllberge wieder verwenden, keine Fische und Schildkröten müssten Plastik essen, wir würden sehr viele Co2 Emissionen sparen und könnten dazu beitragen, die Gewinnung von Erdöl und Erdgas reduzieren. Die Verwendung von recyceltem Polyester kann uns also helfen unsere Abhängigkeit von Erdöl als Rohstoffquelle zu verringern. Es verringert den Abfall, verlängert so die Lebensdauer der Deponie und reduziert die toxischen Emissionen aus Verbrennungsanlagen. Außerdem trägt es auch dazu bei, neue Recyclingstrategien für Polyesterbekleidung zu fördern, die nicht mehr tragbar ist.

Aber auch die Drucke und Farben spielen eine wichtige Rolle. Alle von uns verwendeten Druckfarben sind umwelt- & hautfreundlich, auf Wasser basierend und mit dem ECO-PASSPORT Siegel zertifiziert.

Was für die Performance Linie aufgrund der geforderten Funktionalität leider unmöglich ist, ist bei unser Casual-Kollektion oberstes Gebot. Hier verwenden wir ausschließlich Bio-Stoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Bäume (Modal) oder Baumwolle. Explizit sind unsere Produkte vegan.

Was uns noch interessieren würde ist, wie es mit der Funktion und vor allem der Aerodynamik bei beinen Triathlon-Einteilern aussieht? Wurden deine Produkte im Windtunnel getestet?

Ein Triathlon-Anzug ist tatsächlich ein hochkomplexes Kleidungsstück, dass viele Anforderungen erfüllen muss. Schwimmen, Radfahren und Laufen – alles muss optimal ausführbar sein. Aufgrund der Art wie die Stoffe der Anzüge gewebt sind, nehmen unsere Triathlonanzüge nur extrem wenig (max 1%) Wasser auf. Damit können wir auf die chemische Beschichtung verzichten, die sowieso nach nur wenigen Anwendungen unser Grundwasser verschmutzt, ohne auf eine großartige Schwimmperformance zu verzichten. 

Die Aerodynamik auf dem Rad haben wir im Windtunnel getestet und den Anzug entsprechend optimiert.“

Die verlängerten Ärmel und Beine tragen zu einer weiteren Optimierung der Aerodynamik bei, wie auch die neu konzipierte Rückentasche.

Eine Frage noch zu deiner Produktion: Wo werden deine Produkte gefertigt? 

Alle Schnitte und Designs wurden von uns selbst entwickelt und werden hauptsächlich an 2 Standorten in Deutschland und Norditalien gefertigt. Alle verwendeten Materialien vom Stoff, über den Reissverschluss zum Sitzpolster stammen aus Deutschland und/oder Italien und werden von mir und meinem Team ausgesucht und getestet, getestet, getestet. 

Für unsere komplette Triathlon-Kollektion arbeiten wir mit einem traditionellen Familienunternehmen in Deutschland zusammen, welches seit 1903 existiert. Die großartigen Näherinnen erwecken mit ganz viel Herz und Passion für uns unsere Triathlon Kollektion und alle Triathlon Custom Design-Einzelstücke zum Leben.  

„Wir sind wirklich sehr stolz darauf so lokal, fair und nachhaltig produzieren zu können, den Standort zu unterstützen und die Produkte quasi vom Nähtisch weg euch anzubieten.“

Unser zweiter Kooperationspartner ist ebenso ein Familienunternehmen und sitzt in Norditalien. Hochspezialisiert auf Radbekleidung, entstand mit Ihnen zusammen unsere komplette neue und nachhaltige Radkollektion. 

Beide Unternehmen vertreten die gleichen Werte wie wir: faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen, effizienter Umgang mit Ressourcen, durchdachte Prozesse, der eigene Solarstrom, so minimale Abfälle wie möglich produzieren, lokale Partnerschaften und allen voran ein extrem hochwertiges und langlebiges Produkt zu fertigen – denn nichts ist nachhaltiger als ein Bekleidungsstück, das lange schön ist und uns begleitet.

Vielen lieben Dank für deine Zeit und den Einblick in deine Produkte. 

Good to know: 
Lanakila kooperiert auch mit der Firma Guppyfriend, die den STOP MICRO WASTE WASHING BACK erfunden haben. Dieser filtert Mikroplastik aus dem Waschwasser und verhindert somit, dass Mikropartikel von Plastik beim Waschen ins Grundwasser gelangen.

Außerdem unterstützt Lanakila noch zwei Projekte, die Mikroplastik aus dem Meer filtern: The Ocean Clean Up & Pacific Garbage Screening.

Ähnliche Beiträge